Kurzvorstellung – Herausforderung

Da bin ich nun … 33 Jahre alt, weiblich und selbstdiagnostizierte Asperger-Autistin.

Da mein gesamtes Leben aus Texten, Büchern und dem Schreiben besteht, denke ich schon seit Jahren darüber nach, einen Blog zu schreiben. Aber ganz ehrlich? Wen interessiert denn schon ausgerechnet meine verquere Gedankenwelt? Würde das nur wieder darin enden, dass ich mich ins Abseits stelle und dass ich für das, was ich tue, belächelt oder gar verspottet werde?

Ich wage den Schritt nun dennoch. Warum?

Weil ich in zwei Tagen das erste Mal in eine psychiatrische Tagesklinik gehen werde. Weil ich wieder einmal Depressionen habe. Weil ich mich auf diesem Weg von euch begleiten lassen möchte, um mich selbst davor zu schützen, alles hinzuschmeißen. So jemand bin ich nämlich.

Die Entscheidung für eine Tagesklinik fiel mir nicht leicht. Gruppengespräche … mmh … für jemanden wie mich kein leichtes Unterfangen. Ich schreibe Drehbücher in meinem Kopf, alles muss geplant sein, Unvorhersehbares bringt mich aus dem Konzept. Und was ist Unvorhersehbarer als das, was in einem Gruppengespräch in solch einer Klinik passiert?

Die Leiterin der Klinik hat mich vorgewarnt, dass ich mich am ersten Tag zumindest vorstellen müsste. Derzeit drehe ich also dieses Drehbuch … Ich weiß schon jetzt, dass ich, egal was ich sage, weinen muss. Und wenn ich nur erzähle wer ich bin. Weil ich innerlich so sehr angespannt sein werde. Ich werde erst rot anlaufen, die Nase geht zu, Tränen steigen mir in die Augen, dann wird irgendwann eine Welle heißer Blitze durch meinen Kopf gehen und die Dämme werden brechen. Ich werde heulen. Wie immer, wenn ich traurig, extrem glücklich, aufgeregt, sauer bin oder mich irgendetwas emotional berührt.

Autisten schreibt man in der Regel Empathielosigkeit zu. Könnte man mir nicht wirklich, aber es scheint offenbar so. Ich versuche, meine Gefühle zu verbergen, weil ich weiß, dass ich weinen werde. Wenn ich weiß, dass mich etwas emotional überfordern wird, vermeide ich, dass mir das passieren wird, indem ich die Situation an sich vermeide. Mir steigen manchmal schon die Tränen in die Augen, wenn mich jemand fragt, wie es mir geht. Im Übrigen finde ich diese Frage total hirnrissig. Ich will dann am liebsten fragen „interessiert es dich wirklich?!“, aber ich traue mich nicht, weil ich mir selten etwas traue. Und wenn, dann wirkt es immer komisch und ich ärgere mich darüber.

Das zumindest erstmal zur Einführung. Da ich laut der Tagesklinik-Leiterin sowieso Tagebuch führen soll, nutze ich die Chance, um diesen Blog ins Leben zu rufen. Vielleicht gibt es ja noch mehr Freaks da draußen, die mich bei meiner Selbstfindung seelisch und moralisch unterstützen möchten.

Ich danke euch, wenn ihr zumindest bis hier her gekommen seid und entschuldige mich im Voraus für meine „Romane“, die ganz sicher folgen werden.

Viele Grüße

Lotti

3 Gedanken zu “Kurzvorstellung – Herausforderung

  1. Hallo Lotti,
    das ist ein wirklich schöner Anfang für einen Blog und ich bin sehr gespannt wie es weitergeht!
    Dir wünsche ich von Herzen einen guten Start in der TK.
    Alles Liebe
    Eckhard aus Dortmund

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